Ist die Erweiterung des Verwaltungsgebäudes noch nötig?

Die GRÜNEN Stadt Thun haben an ihrer Mitgliederversammlung die Parolen für die kommenden Abstimmungen beraten. Bei den nationalen Abstimmungsvorlagen schliesst sich die Sektion den Parolen der GRÜNEN Schweiz an. Mehr Gesprächsstoff lieferten die kommunalen Vorlagen. Während bei der Quartierschulinitiative Einigkeit über die Ablehnung herrschte, kamen zum Verwaltungsneubau kritische Fragen auf: Ist der Bedarf noch gegeben oder ist die Ausgangslage heute anders, weil auch städtische Angestellte vermehrt im Homeoffice arbeiten? Kann sich die Stadt Thun die happige Investition noch leisten?

An der gestrigen Mitgliederversammlung haben die GRÜNEN der Stadt Thun unter Einhaltung der Abstandsregeln die statutarischen Geschäfte abgearbeitet und sich mit den Parolen zu den Abstimmungen vom 27. September beschäftigt. Bei den nationalen Vorlagen bestätigten die Anwesenden die Parolen der nationalen Partei: Nein zur Kündigungsinitiative, zum missratenen Jagdgesetz, zu den Kampfjet-Milliarden und zur Erhöhung der Kinderabzüge für reiche Eltern. Ja sagt die Partei zum Vaterschaftsurlaub, der als ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu echter Gleichstellung beurteilt wird. Bei der städtischen Abstimmung über die sogenannten Quartierschulinitiative waren sich die GRÜNEN einig: Die Initiative stellt die Interessen der Initiant*innen über das Gesamtinteresse, steht künftigen flexiblen Lösungen im Weg und hat das Potential hohe und unnötige Kosten auszulösen.

Stimmfreigabe zum Verwaltungsgebäude-Erweiterungsbau Industriestrasse
Mehr Diskussionsbedarf gab es bei der Parolenfassung zum Erweiterungsbau des Verwaltungsgebäudes an der Industriestrasse. Die Stadtratsfraktion hat dem Vorhaben an der Januar-Sitzung zugestimmt. Der Bedarfsnachweis war gegeben und das Projekt überzeugte Punkto Energie und Baustandard (Minergie P ECO). Nun etwas mehr als ein halbes Jahr später, an der gestrigen Mitgliederversammlung kamen aber Fragen in Bezug auf Bedarf und Finanzierung auf, die insbesondere den Entwicklungen rund um die Corona-Krise geschuldet sind: Kann sich die Stadt Thun diesen Verwaltungsgebäudebau überhaupt noch leisten? Wie sieht es mit dem Bedarf aus? Arbeiten städtische Angestellte nicht auch vermehrt im Homeoffice und liesse sich mit einer intelligenten Büroraumplanung der Neubau vermeiden? Führt die Krise nicht dazu, dass zunehmend mehr Büroräume freistehen werden? Könnte sich die Stadt nicht dort einmieten? Eine Mehrheit der Anwesenden erachtete den Zeitpunkt der Abstimmung für ungünstig und war der Ansicht, dass Antworten auf diese essentiellen Fragen in den Abstimmungsunterlagen fehlen. Eine Entscheidung sei unter diesen Vorzeichen schlicht nicht möglich, weshalb die Versammlung schlussendlich die Stimmfreigabe beschloss.

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Gerhard Schuster, Präsident, 033 222 68 40‬, gerhard.schuster@gruene-thun.ch